Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Bochum 2027 (ABK 2027)
20261211 · Beschlussvorlage der Verwaltung · 16.07.2026 · Tiefbauamt
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Beratungsfolge
Datum | Gremium | Ergebnis | 25.06.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Mitte | noch nicht beraten | 30.06.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Wattenscheid | noch nicht beraten | 30.06.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Nord | noch nicht beraten | 01.07.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Südwest | noch nicht beraten | 01.07.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Ost | noch nicht beraten | 02.07.2026 | Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur | noch nicht beraten | 07.07.2026 | Bezirksvertretung Bochum-Süd | noch nicht beraten | 08.07.2026 | Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss | noch nicht beraten | 16.07.2026 | Rat | noch nicht beraten |
Die Stadt Bochum legt das neue Abwasserbeseitigungskonzept für die Jahre 2027 bis 2032 vor. Das umfassende Planwerk sieht Investitionen von jährlich über 50 Millionen Euro für die Sanierung und den Ausbau der Kanalisation vor.
Das Tiefbauamt hat das Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) 2027 fertiggestellt, das gemäß Landeswassergesetz alle sechs Jahre neu aufgestellt werden muss. Das Konzept bildet die Grundlage für alle wasserwirtschaftlichen Planungen und Baumaßnahmen in der Stadt für die kommenden Jahre.
Umfassendes Kanalnetz erfordert kontinuierliche Investitionen
Bochum betreibt zur Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht ein 1.246 Kilometer langes Kanalnetz, davon 1.035 Kilometer Mischwasserleitungen, 155 Kilometer Regenwasserleitungen und 56 Kilometer Schmutzwasserleitungen. Hinzu kommen zahlreiche Sonderbauwerke:
- 57 Regenrückhalteanlagen
- 57 Regenüberlaufbauwerke
- 4 Versickerungsanlagen
- 1 Retentionsbodenfilter
- 20 Pumpwerke
99,8 Prozent aller Haushalte sind an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Der wesentliche Teil des Netzes stammt aus den Nachkriegsjahren ab 1950, die ältesten Haltungen aus dem Jahr 1890.
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Substanzerhaltende Sanierungsplanung im Fokus
Das ABK 2027 basiert erstmals auf einem substanzwerterhaltenden Sanierungskonzept, das mit einem Alterungsprognosemodell arbeitet. Dieses Modell ermöglicht es, die Entwicklung der Kanalsubstanz zu prognostizieren und die Wirksamkeit verschiedener Sanierungsmaßnahmen zu bewerten.
Zur Bewertung des Kanalzustands werden regelmäßige Kamerainspektionen durchgeführt. Die Ergebnisse fließen in ein Datenbanksystem ein und werden automatisch bewertet. Die Zustandsklassen reichen von ZK-5a (schadensfrei) bis ZK-0a (sofortiger Handlungsbedarf).
Klimafolgenanpassung und Schwammstadt-Prinzip
Das neue Konzept berücksichtigt verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels. Die Stadt hat bereits 2019 den Klimanotstand erklärt und eine Starkregengefahrenkarte erstellen lassen. Das ABK 2027 integriert Maßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip, bei dem Niederschlagswasser verzögert abgeleitet, vermehrt verdunstet oder versickert wird.
Im Rahmen der Zukunftsinitiative „Klima.Werk“ werden drei KRIS-Betrachtungsräume mit entsprechenden Projekten definiert. Ziel ist die Abkopplung von bis zu 25 Prozent der angeschlossenen Flächen vom Mischentwässerungssystem und eine Steigerung der Verdunstungsrate um 10 Prozent.
16 Maßnahmenarten für umfassende Sanierung
Das ABK 2027 gliedert alle geplanten Maßnahmen in 16 Kategorien (A1 bis A16):
- Ergänzungsmaßnahmen (Erweiterung der Kanalisation)
- Sanierungen aus hydraulischen Gründen
- Sanierungen aus baulichen Gründen
- Fremdwassersanierung
- Behandlung von Mischwasser und Niederschlagswasser
- Regenwasserrückhaltung
- Gewässermaßnahmen
- Versickerungsanlagen
- Planungen und Konzeptstudien
Das Stadtgebiet wurde für eine bessere Maßnahmenbewertung in 114 Quartiere (Betrachtungsräume) unterteilt, die sich am Höhenmodell und den Gewässereinzugsgebieten orientieren.
Investitionsvolumen von über 330 Millionen Euro
Das Gesamtbudget für die Baukosten steigt von 52,9 Millionen Euro im Jahr 2027 kontinuierlich auf 58 Millionen Euro im Jahr 2032. Zusätzlich werden ab 2027 jährlich 4 Millionen Euro für Reparaturmaßnahmen eingeplant.
Die Kosten basieren auf dem Mittelpreisspeicher der Ausschreibungen des Tiefbauamtes und berücksichtigen Faktoren wie Kanaldurchmesser, Einbautiefe und Lage der Baustelle. Baunebenkosten für Kampfmittelerkundung, Baugrunduntersuchungen und externe Planungsleistungen sind bereits einkalkuliert.
Beratungsfolge bis Juli 2026
Das ABK 2027 durchläuft einen umfassenden Beratungsprozess. Alle sechs Bezirksvertretungen werden zwischen Ende Juni und Anfang Juli 2026 angehört. Der Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur sowie der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss beraten das Konzept vor, bevor der Rat am 16. Juli 2026 die endgültige Entscheidung trifft.
Nach der Beschlussfassung wird das ABK 2027 der Bezirksregierung Arnsberg zur Genehmigung vorgelegt und den Wasserverbänden Emschergenossenschaft und Ruhrverband übermittelt. Anschließend soll es in einem Informationsportal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Unterlagen